Mittelalterliche Marktordnung

Um Nutz und Notdurft willen dieser Stätten ist unser gnädiger und hochwohlgeborener Herr Burgvogt zu rat worden, als ernstlich und festiglich zu gebietender, dass folgend Ordnung und Gebrauch soll gelten auf dem Markte zu ...

Jedweder Bürger, Mannsbild wie Weibsbild soll Zutritt haben zu diesem Markte vom Abgeläute der Morgenmesse bis zum Abdämmern des Tages. Bei wem es vorher schon dämmert, der sollt wohl gleich nach Hause gehen.

Und also hat unser Herr Burgvogt gesetzet, dass ein jeglicher sich soll wohlfühlen auf diesem Markte und Fressen und Saufen, solange der Taler reicht. Auf dass dieser Markt uns wohl gelinge und ein Nutzen sei allen Marktleuten, Bürgern und Gästen, so hat unser hoher Herr Burgvogt gesetzet wie folgt:

Wer Brot stehlet, den sollt man in den Pranger stellen. Für jedes Pfund wohl einen Tag lang. Desgleichen sollt man verfahren mit Raufern, Zechprellern und anderem Gesindel. Wer darinnen steht, den sollt ihr bewerfen mit faulen Eiern und stinkendem Gemüse, bis dass ihn der eigene Hund nicht wieder erkennen tut. Also hat der Herr Burgvogt bestimmet, dass ein jeder ein Aug habe auf Recht und Ordnung.

Nun höret, was der Herr Burgvogt gesetzet für die, die handeln mit Speis und Trank: Der Bäcker soll Tuch unter sein Kuchen legen und sich nit darauf setzen oder kämmen. Der Kuchen und die Brötchen sollen so groß sein, auf das sie den Handteller verdecken tun.

Der Fleischhauer und Wurstbräter soll stehen innerhalb seines Tisches und niemand zum Kauf drängen. So soll er auch seine Waren feil bieten, die nit länger gelegen hätt, denn zween Tage. Bricht er das, gibt er 6 Taler. Die Würst seien nur aus reinem Schweinefleisch gemacht. Von einem Mutterschwein dürfen keine gemacht werden. So er zuwider handelt, muss er ein Jahr lang von seinem Handwerk ausgeschlossen sein. Aussätziges Fleisch und Fleisch von Mutterschweinen darf nur 7 Fuß vom Fleischstand verkauft werden. Auch sollt der Fleischhauer die Därme außerhalb der Burg spülen.

Dies ist gesetzet vom Wein und vom Bier: Das Bier sollt gebrauet sein von Gersten allein und vom besten Malze. So der Schankwirt das Maß nit recht füllet, wie es das Signum anzeigt, so sollt ihm das Bier ins Gesichte schütten und ihm kein Geld geben.

Der Lederer sollt die Haut gar trocken zum Kaufe bieten und die Haut nit schinden an der Gassen. Wenn sie noch stinken tut, sollt ihr ihm die Haut um die Ohren schlagen.

So ist gesetzet bei einem Brande. Bei einem Brande haben alle das Wasser vom Bader zum Brandherd zu tragen. Auch sollt ihr dabei mit Kufen das Wasser aus der Kloake schöpfen.

Zum Badehaus daselbst. Auf dem Markte ist es wohl verboten, auf dass man den Weg zum Zuber nackend antritt. Was da am Manne wie am Weibsbild könnt die Fleischeslust erregen, hat unter Scham bedecket zu sein. So Mannsbild wie Weibsbild gleichermaßen im Zuber baden, haben sie die Hände über dem Wasser zu halten.

Die etwa 30 Dirnen in der Burg haben wir peinlich darauf besehen, dass keine Schmach unter die Männer getragen. Ihr könnt deren Dienste wohlbesonnen nehmen. Der Zoll für das Beilager ist geleget auf 10 Pfennige pro Tag. So aber einer bei der Dirne liegt und den Zoll nit wollt zahlen, den sollt man nackend aus der Burg peitschen.

Die Wege auf dem Markte haben sauber zu bleiben. Es ist nit trefflich, darauf zu Notdurft zu verrichten, noch Asche zu streuen oder tote Katzen abzulegen. Desgleichen sei an beider Tagen untersagt, den Handel in die Kirchen zu legen. Wer ein Schwein oder eine Gans in die Kirchen schleppt, der muss geben 10 Pfennig Buße. Auch sollt ihr nicht besoffen das Gotteshaus betreten und dumme Lieder drinnen singen. Wer solches tut, muss geben 20 Pfennig Buße.

Ein Letztes: Aussätzige, Blinde, Taube, Musikusse und anderes Gesindel sollen Schellenringe an den Füßen tragen. So man sie darin erkennen und ihnen aus dem Wege gehen kann. Auch sollt ihr darauf wohl sehen, euch nit mit dem Henker auf eine Bank zu setzen. Lotterbuben in jeder Art, fahrende Schüler mit langem Haar halten sich vom Markte fern. Es sei, sie tragen eine Hauben gegen das Ungeziefer.

So gesetzet von unserem gnädigen und hochwohlgeborenen Herrn Burgvogt, zu Urkund gegeben und verkündet am Tage des Herrn ...

vom Herold daselbst. Dort, wo alte Freundschaft wird erneuert und neue Freundschaft wird geknüpfet, da soll nach altem Brauch und guter Sitt das Methorn kreisen und der Becher klingen. Drum sei hernun der Markt mit solch wohlgesetzten Worten eröffnet.